© 2010-2018

The Grand Ducal House of Mecklenburg-Strelitz
Das Großherzogliche Haus Mecklenburg-Strelitz


Bookmark and Share
Start

Adolf Friedrich II

Herzog von Mecklenburg, Fürst zu Wenden, Schwerin und Ratzeburg, auch Graf zu Schwerin, der Lande Rostock und Stargard Herr



Herzog Adolf Friedrich IIHerzog Adolf Friedrich II. wurde am 19. Oktober 1658 in Grabow geboren. Er war der posthume Sohn des Herzogs Adolf Friedrich I. von Mecklenburg-Schwerin und seiner zweiten Ehefrau Prinzessin Maria Katharina von Braunschweig-Lüneburg-Dannenberg. Da er seinen Vater nie kannte, wurde Adolf Friedrich bis zu ihrem Tod am 1. Juli 1665 von seiner Mutter in Grabow erzogen. Nun wurde er im Alter von 6 Jahren als Waise nach Güstrow gebracht, wo er von seinem Cousin, dem regierenden Herzog Gustav Adolf, betreut wurde.


Erwachsen werden


Nach seiner Volljährigkeit erhielt Adolf Friedrich wenig Unterstützung von seinem Halbbruder, dem regierenden Schweriner Herzog Christian Ludwig I., der ihm gerade genug Geld zum Leben gab. Sein Cousin Herzog Gustav Adolf erwies sich jedoch als hilfreicher und arrangierte die Heirat von Adolf Friedrich mit seiner Tochter, der Herzogin Marie (1659-1701). Die Hochzeit fand am 23. September 1684 in Güstrow statt. Adolf Friedrich und Marie hatten fünf Kinder, von denen nur zwei das Erwachsenenalter erlebten, ein Sohn Adolf Friedrich III. (1686-1752) und eine Tochter Gustave Caroline (1694-1748), die den Schweriner Herzog Christian Ludwig II. heiratete.


Herzog Gustav Adolf gab  Adolf Friedrich neben der Hand seiner Tochter auch die Städte Strelitz und Feldberg mit deren Einkünften als Mitgift. Mit dem Tod von Adolf Friedrichs Schwager Erbprinz Carl im Jahr 1688 schien die Güstrower Linie Güstrow des Hauses Mecklenburg mit Herzog Gustav Adolf sicher auszusterben und machte Adolf Friedrich zu einem potentiellen Nachfolger.


Nachfolgekonflikt


Herzog Friedrich Wilhelm, der Neffe Adolf Friedrichs und Christian Ludwigs, beanspruchte mit dem Tode Herzog Christian Ludwigs  im Jahre 1692 das Herzogtum durch den Erstgeborenen als nächsten Fürsten in der Familie. Dies wurde von Adolf Friedrich bestritten, der nach dem Tod seines Vaters geboren wurde und nichts geerbt hatte.


Adolf Friedrichs Anspruch erlitt 1693 einen Rückschlag, als sein Neffe vom Kaiser Leopold I. als Herzog anerkannt wurde. 1694 kam es zu einer Einigung, als die Vermittlung des Lübecker Bischofs dazu führte, dass Friedrich Wilhelm die Komturei von Mirow an Adolf Friedrich übergab.  Am 26. Oktober 1695 starb der Güstrower Herzog Gustav Adolf, was zu einer Wiederaufnahme des Streites zwischen Adolf Friedrich und seinem Neffen Friedrich Wilhelm, diesmal über die Nachfolge in Güstrow, führte. Friedrich Wilhelm wiederum begründete seinen Anspruch, der älteste Prinz des Hauses Mecklenburg zu sein, während Adolf Friedrich seinen Anspruch auf sein Verhältnis zu dem verstorbenen Herzog begründete und darauf, dass Gustav Adolf den Kaiser des Heiligen Römischen Reiches gebeten hatte, eine Teilung zu genehmigen. Da Adolf Friedrich zum Zeitpunkt des Todes seines Schwiegervaters in Güstrow war, hätte er die Kontrolle über das Herzogtum übernehmen können, unterließ es jedoch und entschied sich den  Streit durch einen ordnungsgemäßen Prozess beizulegen.


Nachdem schon  1692 Kaiser Leopold Friedrich Wilhelms Recht auf die Schweriner Erbfolge anerkannte, fand Friedrich Wilhelm im Januar 1697 wieder Wohlwollen beim Kaiser, als der Reichsrat ihm den Mecklenburg-Güstrower-Besitz zuerkannte. Dies führte zu einem Streit mit dem niedersächsischen Kreis, namentlich dem brandenburgischen Kurfürsten, König von Schweden, und dem Haus Braunschweig, das die Übernahme als Verletzung ihrer Gerichtsbarkeit ansah und Soldaten entsandte, um Friedrich Wilhelm und den kaiserlichen Vertreter Graf zu entfernen Eck. Als Folge wurde in Güstrow eine Verwaltung eingerichtet, während der Kaiser eine Kommission beauftragte, den Streit zu untersuchen. Die Kommission begann im Jahre 1698 und bestand aus dem König von Dänemark (in seiner Eigenschaft als Herzog von Holstein), dem Herzog von Braunschweig, dem Bischof von Lübeck und Graf Eck.


Die weiteren Entwicklungen


Nach dreijähriger Beratung kam die Kommission zu einer Entscheidung, Herzog Friedrich Wilhelm sollte das Herzogtum Mecklenburg, die Fürstentümer Schwerin und Wenden, die Grafschaft Schwerin und die Herrschaft Rostock erhalten. Adolf Friedrich hingegen sollte das Fürstentum Ratzeburg, die Herrschaft Stargard und die Komtureien von Mirow und Nemerow mit seiner Hauptstadt Strelitz erhalten. Neben den Territorien erhielt Adolf Friedrich 8000 Reichsthaler  für den Bau eines neuen Palastes und 9000 Reichsthaler, die ihm jährlich aus den Einnahmen vom Boizenburger Zoll zu zahlen waren. Auch in Mecklenburg wurde ein Erstgeburtsrecht eingeführt, wonach im Falle des Aussterbens einer der Linien der überlebende Zweig der Familie ganz Mecklenburg erben würde.


Obwohl Adolf Friedrich von einigen Kommissaren geraten wurde, das Abkommen nicht zu unterschreiben, da ein Kurier auf dem Weg von Wien, mit für seine Sache günstigen Nachrichten war, wurde er von seinem Geheimrat überzeugt, den Vertrag,  am 8. März 1701 zu unterzeichnen. Fast ein Jahrzehnt lang kämpfte er um sein Erbe und führte diesen zur Gründung des neuen Landes und Fürstenhauses Mecklenburg-Strelitz. Als der Kurier zwei Stunden nach Unterzeichnung des Vertrages ankam, stellte sich heraus, daß der Kaiser die Übergabe der Souveränität von Mecklenburg-Güstrow an Adolf Friedrich befohlen hatte, aber da der Vertrag bereits unterzeichnet war, spielte der Befehl keine Rolle. Der Geheimrat, der ihn dazu überredete, den Vertrag zu unterzeichnen, geriet schließlich bei Adolf Friedrich in Ungnade und wurde 1704 entlassen, um in den Dienst des Schweriner Herzogs zu treten.


Der erste Herzog von Mecklenburg-Strelitz

Herzog Adolf Friedrich II

Adolf Friedrichs Frau Marie erlebte die Unterzeichnung des Hamburger Vertrages nicht mehr, denn sie war am 16. Januar 1701 verstorben. Daher fiel die Auszeichnung, erste Herzogin der Strelitzer Linie zu sein an seine zweite Frau Prinzessin Johanna von Sachsen-Gotha, Herzogin von Sachsen (1680-1704), die Tochter Herzog Friedrichs I. von Sachsen-Gotha und seiner Gemahlin Prinzessin Magdalena Sibylle von Sachsen-Weißenfels, die er am 20. Juni  1702 geheiratet hatte. Diese Ehe war kinderlos, als  Johanna starb. Am 10. Juni 1705 heiratete er  Prinzessin Emilie von Schwarzburg-Sonderhausen (1681-1751), die Tochter von Prinz Christian Wilhelm von Schwarzburg-Sondershausen und seiner ersten Frau Prinzessin Ludmilla Elisabeth von Schwarzburg-Rudolstadt. Er hatte zwei weitere Kinder aus seiner dritten Ehe, obwohl nur einer bis ins Erwachsenenalter überlebte, ein Sohn Herzog Carl, Prinz von Mirow (1708-1752).


Nicht lange nach Beginn seiner Regierungszeit entstand ein neuer Streit zwischen Adolf Friedrich und seinem Neffen Friedrich Wilhelm, diesmal über die Unterzeichnung des Schweriner Abkommens. Das Abkommen löste lange Streitigkeiten zwischen dem Schweriner Herzog und dem Adel von 1684 und entschied, wie viel die Staaten jährlich für die Verteidigung des Landes zahlen müssten. Adolf Friedrichs Grund für die Ablehnung der Vereinbarung war, dass er von den Verhandlungen ausgeschlossen wurde, weil er glaubte, dass es ein Verstoß gegen die Union von 1523 sei.


Sobald Adolf Friedrich seine souveränen Rechte übernommen hatte, stand er vor der Aufgabe, sein neues Land zu errichten. Mecklenburg hatte während des Dreißigjährigen Krieges (1618-1648) stark gelitten, als es sowohl einen Rückgang der Bevölkerung als auch der Wirtschaft erlebte und sich nie vollständig auf das Vorkriegsniveau erholte. Als Adolf Friedrich an der Macht war, begann er mit der Einrichtung einer Zentralregierung, die das Land effizient führen sollte, und initiierte eine neue Steuerpolitik zur Revitalisierung der Landwirtschaft. In einem Versuch, eine Volkswirtschaft aufzubauen, kaufte er große Waldflächen mit dem Holz für den Bau neuer Fabriken und verkaufte es auch nach Hamburg, wo es für den Schiffsbau benötigt wurde. Er etablierte auch seine Außenpolitik und schuf eine militärische Kraft, um Ordnung zu halten und den Staat vor äußeren Bedrohungen zu schützen.


Nach seinem langen Kampf um den Thron hatte Adolf Friedrich keine lange Herrschaft. Sieben Jahre erlebte Adolf Friedrich auf dem Thron als erster Strelitzer Herzog und starb am 12. Mai 1708 im Alter von 49 Jahren. Er wurde von seiner dritten Frau Emilie überlebt, die am 1. November 1751 im Alter von 70 starb. Das Erbe von Adolf Friedrich trat sein ältesten Sohn, als Herzog Adolf Friedrich III. an.


Start > Geschichte > Herzöge > Adolf Friedrich II